ÖPWZ: Industrie 4.0 – Der Einkauf ist bereit, aber ausgelastet

Autor: Christian Fischer
Datum: 02.02.2016

Einkauf als „Schnittstelle zwischen Kundenwunsch und Lieferantenmarkt“

Im österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrum (ÖPWZ Wien) fand Anfang des Jahres das Forum Einkauf statt. Das Motto: „Die 4. industrielle Revolution ist eingeläutet“. Verschiedene Redner und Denker diskutierten die Folgen des Umbruchs und versuchten herauszufinden, was Industrie 4.0 für den Einkauf bedeutet.

Den Anfang machte der Präsident des ÖPWZ, Mag. Andreas Prenner. Er sieht für den Standort Europa große Chancen und Möglichkeiten in der Entwicklung zu Industrie 4.0. So solle beispielsweise durch Digitalisierung die Produktion zurück nach Europa geholt werden. Prenner bezeichnete die vierte industrielle Revolution als „Schnittstelle zwischen Kundenwunsch und Lieferantenmarkt“. Hier sieht er große Verantwortung bei den Einkaufsmanagern. Die Frage nach den auf Einkauf und Supply Management zukommenden Herausforderungen sollte die Podiumsdiskussion leiten. Sowohl Berater als auch Praktiker waren Teil der Diskussionsrunde. Die Teilnehmer beschrieben Digitalisierung als die Integration von Informations- und Kommunikationstechnik. Weiterhin solle die Schaffung des Mehrwerts für den Kunden im Vordergrund stehen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren der Meinung, dass der Einkauf in Sachen Industrie 4.0 schon weiter ist als man es von extern eventuell vermuten könnte. Allerdings wird auch angebracht, dass im Einkauf momentan kein Platz für Weiterentwicklung ist, da er bereits ausgelastet ist. Die Forderung nach Einbindung des Einkaufes bleibt bestehen und wird sogar noch verstärkt. Damit einhergehend muss der moderne Einkäufer auch umfangreicher qualifiziert sein. IT-Wissen oder juristische Aspekte dürfen nicht vernachlässigt werden. Auf die Frage nach dem Verbleib des strategischen Einkaufs in der Zukunft, antwortet ein Berater, dass die operativen Aufgaben einen Rückgang erleben werden, während die Zahl der strategischen Aufgaben ansteigt. Währenddessen war man auf dem Podium der Meinung, dass sich die Verhandlungen in der „menschlichen“ Sphäre eines Miteinanders nicht ändern werden. Digitalisierung diene hier nur als Unterstützung.

Schließlich folgte die Frage nach dem Praxisbezug von Industrie 4.0. Dieser sei bei den ganz großen Unternehmen bereits Teil der Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings gehen die Experten davon aus, dass sich die gesamte Unternehmenslandschaft momentan in einem radikalen Umbruch befindet. Neue Konzepte und Modelle eröffnen neue Horizonte und bringen neue Herausforderungen mit sich. Hier müsse der Einkäufer als „Key Enabler“ also „Schlüssel-Ermöglicher“ fungieren. Darüber hinaus solle der Einkauf in der Lage sein, sein Wissen zu strukturieren und anwenden zu können. Es laufe letztendlich darauf hinaus, wie groß der Einfluss des Einkaufs im Unternehmen tatsächlich ist.

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