Grenzkontrollen behindern den internationalen Supply Chain Prozess

Autor: Ralf Windmüller
Datum: 22.02.2016

Verplombung als Lösung

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) hat sich mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik und ihren möglichen Auswirkungen auf die Lieferketten von Unternehmen auseinandergesetzt. Werden die Grenzen nach Süd- und Osteuropa tatsächlich geschlossen, würde sich dies erheblich auf den deutschen Güterverkehr auswirken. Laut aktueller Mautstatistiken überqueren rund 40 Millionen Güterfahrzeuge jährlich die Grenzen der Bundesrepublik. „Wenn es zu einschneidenden Maßnahmen durch die Sicherheitsbehörden kommt, werden die Lieferketten ordentlich durchgeschüttelt“, sagt Gunnar Gburek, Leiter der BME-Sektion Logistik. Demzufolge würden sich Transportkosten erhöhen und die Just-in-Time-Auslieferung immens erschweren. „Standortfragen spielen dann eine größere Rolle, Business-Modelle wie Just-in-Time werden hinterfragt und Lieferketten hinsichtlich der Transportwege komplett neu aufgestellt.“, befürchtet Gburek.

Derzeit sind nur sporadische Kontrollen, beispielsweise an der österreichischen Landesgrenze zu Deutschland, vorgesehen. Zumeist sind es Kleintransporte, die sich einer verschärften Inspektion unterziehen müssen. Der Verdacht den Transportweg für den Schleuserverkehr zu missbrauchen, ist hier besonders hoch. Gunnar Gburek führt diesbezüglich an: „Bislang aber haben Spediteure und Verlader die Auswirkungen im Griff. Die von uns geführten Gespräche zeigen: Kurze Verzögerungen verteuern zwar bereits den Transport, sind aber für die Supply Chains gut zu beherrschen.“

Der Supply Chain Prozess auf längeren Transportstrecken ist heutzutage bis ins kleinste Detail durchgeplant. Das Erreichen von zwischengeschalteten Verkehrsmitteln oder die Übergabe der Ware an weitere Lieferanten ist daher von enormer Bedeutung. Kommt es zu Verspätungen, muss die Lieferung bis zur nächsten freien Möglichkeit warten. „Aus wenigen Stunden wird schnell ein halber Tag oder mehr. So kann es vorkommen, dass Anschlussverkehre verpasst werden“, ergänzt Gburek. Diese zusätzliche Wartezeit summiert sich anschließend zu enormen Kosten, die von den Spediteuren auf den Kunden umgelegt werden.

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, inwiefern man dieser Problematik entgegenwirken kann. „Es muss ganz klar zwischen Waren- und Personenkontrollen getrennt werden“, betont der BME-Logistik-Experte. So kann eine Verplombung der Ladung die Lösung dieses Problems sein. Hierbei müssen sich Unternehmen am Ursprungsort durch zugelassene Organisationen, sogenannte Authorised Economic Operator (AEO), zertifizieren lassen. Somit kann ein einfacher Blick auf die Papiere und die Verplombung genügen und der Transport kann weitergeführt werden. Allerdings vermutet Gburek, dass eine Öffnung der Plombe zur Warenkontrolle und keine anschließende Neuverplombung, ein dauerhaftes Sicherheitsproblem darstellen würden. Denn so ist eine mehrfach Öffnung und die Veränderung möglich. Außerdem ergibt sich das Problem, dass die Ladeflächen bis auf die letzte Möglichkeit ausgenutzt werden. Dieses Verladungsprinzip stellt Kontrolleure oftmals unter Probleme, da Container übereinander oder Tür an Tür positioniert sind. Um dies umgehen zu können, müssen kostspielige Verfahren verwendet werden, die wiederum die Kosten erhöhen und auf den Endverbraucher gewälzt werden.

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R.Windmueller