Studie: 2016 schwächstes Jahr für deutschen Export seit 25 Jahren

Autor: Christian Fischer
Datum: 09.05.2016

Wirtschaftsverband schraubt deutsches Exportwachstum runter

Eine aktuelle Umfrage zeigt auf, 2016 droht für deutsche Exportfirmen eines der schwächsten Jahre seit der Wiedervereinigung zu werden. 71% der deutschen Unternehmen gehen von einer stagnierenden oder sogar schlechteren Entwicklung der Konjunktur für das laufende Jahr aus. Dies geht aus einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern hervor, welche 3.400 global tätigen deutschen Unternehmen befragte.

Die Prognose für das deutsche Exportwachstum 2016 wurde aufgrund dieser Entwicklung nun seitens des Wirtschaftsverbandes auf nur noch zwei Prozent runtergeschraubt. „Das wäre eines der schwächsten Exportzuwächse seit der Wiedervereinigung“, erklärt Volker Treier, Chefvolkswirt der Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK). Bereits im Herbst 2015 prognostizierte der Verband noch ein Plus von 3,5%. Der DIHK erwartet für die Weltwirtschaft nur noch ein Wachstum von drei Prozent im Jahr 2016 und auch nur eine minimale Verbesserung im Jahr 2017. „Die Weltwirtschaft steht weiterhin auf wackeligen Füßen. Kein Auslandsmarkt bietet sich derzeit als wahrer Wachstumstreiber an“, sagte Treier. Grund dafür sind vor allem die Rezessionen in Russland und Brasilien sowie die holprigen Entwicklungen in China.

Die aktuelle Studie offenbart zudem, dass Unternehmen das größte Geschäftsrisiko in der unsicheren Nachfrageentwicklung sehen. Diesem Aspekt stimmte über die Hälfte der Befragten (51%) zu. Als zweitgrößte Sorge werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, etwa der drohende EU-Austritt Großbritanniens oder Unklarheiten über den Reformkurs in Europa, angegeben. Bereits im Herbst 2015 waren politische Risiken das größte Geschäftsrisiko für die Unternehmen gewesen (53%). „Es scheint bis zu einem gewissen Maß eine Gewöhnung an die außenwirtschaftlich und auch politisch turbulenten Zeiten einzutreten“, geht aus der DIHK-Analyse hervor.

Die schwache Entwicklung lässt Unternehmen offenbar umdenken und zeigt auf, dass Unternehmen wieder verstärkt auf Abschottung setzen. Mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen vermerkt dabei eine Zunahme von Handelshemmnissen bei internationalen Geschäften. 21% der Befragten gehen sogar weiter und empfinden, dass einheimische Betriebe an ihren Standorten gegenüber ausländischen bevorzugt würden. Allerdings bewertet knapp jedes zweite deutsche Unternehmen im Ausland, trotz der wirtschaftlich angespannten Situation, seine derzeitige Lage als gut. Zudem erwarten mehr deutsche Unternehmen im Ausland, dass die konjunkturelle Lage an ihren Standorten entspannen wird, als noch vergleichsweise im Herbst 2015. Nur 9% alle Befragten gehen von einer Verschlechterung ihres Geschäftes aus.

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C.Fischer