WAZ: Thyssen-Krupp warnt vor Aus der Stahlproduktion durch CO2-Handel

Autor: Osman Cetinkaya
Datum: 15.12.2015

Thyssen-Krupp sieht seine Werke an Europas größtem Stahlstandort in Duisburg durch politische Vorgaben für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in ihrer Existenz gefährdet.
„Wenn die Pläne eins zu eins umgesetzt werden, sind sie existenzbedrohend“, sagte Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Freitagausgabe) „Im Zeitraum 2021 bis 2030, um den es geht, entstünden uns zusätzliche Kosten von mehreren Hundert Millionen Euro jährlich. Damit wäre es wohl praktisch unmöglich, die Gewinnzone zu erreichen.“ Die Stahlsparte von Thyssen-Krupp beschäftigt deutschlandweit 27.600 Mitarbeiter.

Goss spricht angesichts der EU-Pläne vor einer drohenden Deindustrialisierung. „Die Stahlindustrie ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber. Sie ist auch die Grundlage für die industrielle Wertschöpfung in Deutschland“, betont er. „Wir alle – auch Politik und Gesellschaft – müssen aufpassen, dass wir nicht das Rückgrat unserer Volkswirtschaft gefährden.“ Schon jetzt sei die Lage angespannt. „Die gesamte Stahlindustrie in Europa kämpft um ihre wirtschaftliche Existenz“, sagt Premal Desai, Finanzchef der Thyssen-Krupp-Stahlsparte.

Zum Hintergrund: Die EU-Kommission will beim Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten schärfere Regeln für energieintensive Industrien durchsetzen. Hiesige Stahlhersteller sehen sich dabei im weltweiten Wettbewerb benachteiligt, da es den Handel mit CO2-Zertifikaten außerhalb Europas nicht gibt.

Um sich für die Zukunft zu rüsten, bringt die Stahlsparte von Thyssen-Krupp ein neues Strategieprogramm namens „onesteel“ auf den Weg. „Nach dem starken Fokus auf Kostensenkungen in den vergangenen Jahren und der finanziellen Stabilisierung wollen wir uns nun durch einen ganzheitlichen Ansatz kontinuierlich verbessern“, sagte Goss. „Wichtige Hebel sind unter anderem eine effektivere IT-Infrastruktur, deutliche Leistungsverbesserungen in der Lieferkette, stärkere Markt- und Kundenorientierung, Effizienzsteigerungen in der Produktion und eine Optimierung der Produktpalette. Wir müssen insgesamt umdenken.“ Es sei der Anspruch von Thyssen-Krupp, in Europa Spitzenreiter im für den Konzern relevanten Flachstahlmarkt zu sein. „Dies gilt auch für die Profitabilität.“

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