Transparentere Supply Chain bei BMW

Autor: Marc Kloepfel
Datum: 21.11.2016

Innovationen sollen Logistik zukunftsfähig machen

Datenbrillen, selbstfahrende Transportroboter und digitale Technik: BMW will mit mehreren Innovationen seine Logistik zukunftsfähig gestalten. Dies kündigte Jürgen Maidl, Chef der Logistik im BMW Group Produktionsnetzwerk, bei der Presseveranstaltung „Logistik der Zukunft“ am 17. November in München an. Die Autobauer haben sich jeden Tag der Schwierigkeit zu stellen, an 31 Produktionsstätten 9.000 Fahrzeuge neu herzustellen, erklärte Maidl. Dazu müssen täglich ca. 30 Millionen Teile just-in-time in die Montage gebracht werden. Des Weiteren gestalte sich die Planung der Produktion als schwierig, da die Kunden der Münchner noch bis sechs Tage vor Beginn der Herstellung Modifikationen an ihrem Wunsch-Pkw beauftragen können. Um zukunftsorientiert aufgestellt zu sein, hat sich das Unternehmen eine Reihe von Targets gesetzt, wie beispielsweise die Vernetzung aller Logistikabläufe, die Anknüpfung der Logistikdienstleister an die IT, die Verwendung selbstfahrender Fahrzeuge in der Supply Chain, dem Tracking von gelieferten Teilen sowie der allumfassenden Transparenz der Lieferkette.

Um diese Ziele in die Tat umzusetzen, erprobt BMW mehrere Innovationen und Technologien. Marco Prüglmeier, Projektleiter Innovation und Industrie 4.0 in der BMW Group Inbound-Logistik, hebt hervor: „Wir haben eine klare Zukunftsvision und setzen uns frühzeitig mit den Technologien von morgen auseinander. In allen Phasen des Logistikprozesses haben wir Innovationspotentiale ausfindig gemacht, von der Anlieferung der Bauteile in unseren Werken bis zur Auslieferung der Neufahrzeuge an die Händler in aller Welt“. Im Folgenden sollen einige Maßnahmen von BMW kurz dargestellt werden:

Mehr Transparenz der Daten mittels Connected Supply Chain
Die Supply Chain von BMW setzt sich aus einem global verteilten Netzwerk aus Lieferanten und einer intensiven Kooperation mit den unterschiedlichsten Logistikanbietern zusammen. In Zukunft soll es gemäß BMW durch eine komplette Transparenz der Daten in der Lieferkette möglich sein zu bestimmen, an welchem Ort sich die Waren gerade befinden und ob sie fristgerecht eintreffen. Bei eventuellen Verspätungen, z.B. durch einen Unfall, können so Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Selbstfahrende Transportroboter im alltäglichen Betrieb
In Wackersdorf befördern zehn autonome Smart Transport Robots (STR) Bauteile durch die Logistik. Bemerkenswert ist dabei, dass die STRs keine vorinstallierten Schleifen im Boden benötigen, sondern sich komplett frei durch die Halle manövrieren. Durch die Verbindung von Abstandsmessungen und Sensoren kann der Roboter, der bis zu 500 Kilogramm schwere Lasten befördern kann, Hindernisse erkennen und die gleichen Wege wie Menschen oder andere Vehikel benutzen. Entwickelt hat der Autokonzern das Projekt zusammen mit dem Fraunhofer IML in Dortmund.

Selbständige Routenzüge in der Montage
Im Werk im Niederbayerischen Dingolfing werden in einem Pilottest autonome Routenzüge eingesetzt. Die selbstfahrenden Routenzüge des Hamburger Fabrikanten Jungheinrich sollen die Logistik in der Montage unterstützen, vor allem bei längeren Strecken zwischen verschiedenen Lagern. Die Routenzüge steuern sich autonom mittels Lasersignale.

Augmented Reality-Brillen helfen Logistikern
Die Datenbrillen zeigen dem Arbeiter bei der Sortierung an, wo der das benötigte Bauteil finden kann und wo es abgelegt werden soll. Des Weiteren ist es BMW sogar gelungen, dass die Brille das Bauteil optisch erkennt und einer Qualitätsüberprüfung unterzieht. Bereits nach dem Bruchteil einer Sekunde gibt das System eine Meldung aus, ob das Bauteil frei von Fehlern ist. Mittels künstlicher Intelligenz kann die Augmented Reality-Brille verschiedene Typen von Fehlern eigenständig ausfindig machen.

Connected Distribution: Transparentere Fahrzeugauslieferung
Bei der Übergabe der Fahrzeuge vom Werk an die Händler werden diese in Zukunft zu einem smarten Sensor, der Daten – wie Geoposition oder seinen Zustand – an die Logistikzentrale verschickt und empfängt. Dies soll bei der Einhaltung von Terminen helfen und Durchlaufzeiten verringern.

Schadstoffneutrale Lkws für die Kurzstrecke
Zusammen mit Logistikunternehmen betreibt BMW in München und Leipzig schon jetzt komplett mit Elektromotoren ausgestattete Lkws im Lieferverkehr in Werksnähe. Vorrangig sollen die unterschiedlichen Antriebsarten erforscht und Erkenntnisse gesammelt werden. Längerfristig will BMW den kostengünstigen Betrieb von alternativen Antriebstechnologien erreichen.

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M.Kloepfel