Zukünftige urbane Logistik soll autark, klimafreundlich und nachts verkehren

Autor: Ralf Windmüller
Datum: 07.11.2016

Diskussion über mögliche Lösungen auf dem 33. Deutschen Logistik-Kongress

Das Transportwesen in den Städten sieht sich durch die Zunahme des Online-Shoppings neuen Aufgaben – wie beispielsweise chaotischen Verkehrslagen, fehlende Parkmöglichkeiten oder erhöhter CO2-Ausstoß – gegenübergestellt. Mögliche Lösungen wurden von Koryphäen der Branche auf dem 33. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin unter dem Motto „Den Wandel gestalten“ diskutiert.

Logistikexperten, Forscher und Stadtplaner wollen dabei vor allem den Verkehr sowohl temporal, als auch lokal umsiedeln. Dr. Jens Klauenberg vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sieht darin den Ansatz, den Zulieferverkehr in die Nacht oder auf den frühen Morgen zu verlegen, weil zu diesen Zeiten auf den Straßen wenig los sei. Bedingung dafür sei allerdings die intakte Vernetzung aller Beteiligten.

Zur Vermeidung weiterer Umweltverschmutzung und zur Lärmprävention, empfehlen die Experten die vermehrte Nutzung von Elektro- und Hybridfahrzeugen, insbesondere auf kurzen Strecken. „Wir wissen etwa, dass die Transporter von Zulieferern aus dem Pharma-Bereich in der Regel Tagestouren von unter 100 Kilometern absolvieren“, erklärt Dr. Klauenberg. Derartige Strecken hätten das größte Potenzial für den elektronischen Betrieb, da die Reichweite den Ansprüchen entspricht. Für die Organisation der urbanen Warenauslieferung hält Dr. Klauenberg zentrale Distributions-Centern an den Grenzen der Stadt für notwendig. Ebenfalls in der Pflicht sei die kommunale Verwaltung, die den wirtschaftlichen Transport intensiver unterstützen und unter Umständen Areale für die Errichtung von Lagerhallen bereitstellen soll.

Ebenfalls eine Unterstützung für den urbanen Verkehr könnten selbstfahrende Vehikel darstellen, welche gemäß manchen Untersuchungen Staus und Parkplatzmangel lindern könnten. Erste Tests mit autonomen Robotern, die alleine kleinere Güter ausliefern, finden derzeit in Hamburg und Düsseldorf statt. „Die Menschen reagieren sehr positiv auf unsere Roboter “, versichert Allan Martinson, Chief Operating Officer bei der verantwortlichen Firma Starship Technologies. Laut Martinson bieten Bürgersteige ein großes Potenzial für autonom fahrende Robotersysteme. Auch spezielle Navigationssoftwares für LKWs, die die Kraftfahrer gezielt auf geeignete Wege leiten und so Kreuzungen und Tempolimits umgehen, schaffen es den Spagat zwischen kurzen Versandzeiten und funktionierender Straßeninfrastruktur zu meistern.

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R.Windmueller