Tipps wie Sie Einkaufs-Talente sichern

Autor: Osman Cetinkaya
Datum: 25.01.2016

Chief Procurement Officers (CPOs) stehen vor immer größeren Herausforderungen

Die Lage ist ernst!

Einkaufs-Talente

Einkaufs-Talente

Verschiedene Studien von KPMG, CIPS/Hays, Deloitte und Capgemini kommen alle zum gleichen, sehr ernst zu nehmenden Ergebnis: über die Hälfe aller befragten Unternehmen haben große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden oder zu erhalten. Wachsende Volatilitäten, immer unberechenbarer werdende Märkte sowie politische und wirtschaftliche Krisen rund um den Globus belasten die internationalen Lieferketten. Die Teams in der Procurement Organisation haben zum größten Teil Schwierigkeiten, mit dieser steigenden Komplexität umzugehen und die angestrebten Ziele zu erreichen.

Was ist zu tun?

Innovative Unternehmen haben erkannt, dass es nun Zeit ist, neue Wege in der Personalbeschaffung zu gehen.

1. Ran an die Unis – kontinuierlich und die richtigen
Anstatt auf den seltenen hochqualifizierten Kandidaten zu warten, ist es oftmals sinnvoller, frische Talente aufzubauen. Mattel, ein Spielzeughersteller aus den USA, ist beispielsweise dazu übergegangen, Absolventen aus Procurement oder Supply Chain-Kursen abzuwerben.
Es ist nämlich deutlich schwieriger einen Fachspezialisten zu finden als einen Management Absolventen. Zwar gibt es derzeit noch wenige Studiengänge mit Fokus auf Procurement oder Supply Chain, allerdings sollten diese unbedingt ins Auge gefasst werden bei der Suche nach Personal.

2. Interne Personalentwicklung überarbeiten
Manchmal geht es nicht darum, gute Talente von Extern zu bekommen, sondern das interne Potential der Mitarbeiter besser auszuschöpfen. Ein sehr effektives Tool dafür ist ein systematischer Arbeitsplatzwechsel. Dazu muss allerdings das Profil des Einkäufers intern deutlich aufgewertet werden, um talentierte Mitarbeiter für diesen Bereich zu begeistern. Um das zu erreichen kann der Bereich Einkauf in den Richtlinien des Unternehmens als Pflichtbereich auf dem Weg zum C-Level definiert werden.
Mattel legt zum Bespiel sehr viel Wert auf systematischen Arbeitsplatzwechsel, nutzt aber zusätzliche Kriterien. Mitarbeiter bekommen nicht nur die Möglichkeit, verschiedene Funktionen einzunehmen, sondern auch unterschiedliche geografische Regionen in der gleichen Funktion zu betreuen. So lernen die Mitarbeiter sehr früh in Ihrer Karriere in unterschiedlichen Regionen Supply Chain Abläufe kennen und bekommen damit ein viel besseres Verständnis für andere Strukturen und Prozesse.

3. Mehr Frauen braucht der Einkauf
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sind Frauen. In Deutschland sind etwa 48% aller Studierenden Frauen. Aber leider zeigt die Zählung der SCM World, dass es bei 320 Fortune 500 Firmen mit Supply Chain Funktionen lediglich 22 Frauen gibt. Das ist deutlich zu wenig. Und: leider hat die Procurement Leaders Survey gezeigt, dass Frauen in Procurement Funktionen deutlich weniger verdienen als die männlichen Kollegen in gleichen Funktionen. Das zeigt sehr deutlich die Notwendigkeit, mehr Frauen besser in den Bereich Einkauf zu integrieren und ihre Bezahlung der der männlichen Kollegen anzupassen.

4. Talente nicht nur einkaufen, sondern selbst entwickeln
Wenn es nicht ausreichend Interessenten und Bewerber für den Bereich Procurement gibt, sollte man in eigene Ausbildungen und Schulen investieren. PepsiCo hat beispielsweise seine eigene Global Procurement University eingeführt und bietet eine fachspezifische Fortbildung für eigene Mitarbeiter an. Pfizer kooperiert mit einer Training Akademie einer namhaften Unternehmensberatung, um Mitarbeiter im Bereich Procurement und Supply Chain fit zu machen. Diese Vorgehensweise hat Pfizer gleichzeitig in die Lage versetzt, neue Zielsetzungen aufgrund der Ausbildung festzulegen.

Sogar Regierungen rüsten im Bereich Fortbildung auf, um Procurement Know-how zu stärken. Im März 2015 hat die Britische Regierung eine Ausbildung zum Procurement Spezialisten im Öffentlichen Sektor ins Leben gerufen. Die 2-jährige Ausbildung umfasst alle Bereiche des kommerziellen Lebenszyklus vom Pre-Procurement über Beschaffung bis hin zum Vertragsmanagement. Jeder Auszubildende muss am Ende des Programms die Level 4-Prüfung des Chartered Institute of Procurement and Supply (CIPS) ablegen.

Vom Einkauf zum Vorstand?

Die Rolle des Einkaufs wird immer komplexer und strategischer. Die Bedeutung ist mittlerweile so groß, dass Chief Procurement Officer beste Chancen haben, zum CEO aufzusteigen. Das perfekte Beispiel dafür ist Tim Cook, der Apple’s Procurement revolutioniert hat und seit Kurzem die Funktion des CEO übernommen hat.

Mit der steigenden Bedeutung und den höheren Anforderungen, hat auch der Bedarf nach qualifizierten Talenten deutlich zugenommen. Um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein, sollten sich Unternehmen die vier Tipps zu Herzen nehmen und sich schnellstens mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie schätzen Sie Ihre eigene personelle Situation im Bereich Procurement ein?
  • Wie sind Ihre wichtigsten Wettbewerber aufgestellt?
  • Was sind die wichtigsten Trends und Themen der Branche und welche Auswirkungen haben Sie auf die Supply Chain?

Written by

O.Cetinkaya