Probleme bei zunehmender Digitalisierung

Autor: Sebastian Thelen
Datum: 09.11.2016

Warnung vor zwei-Klassen-Gesellschaft

„Nur wer sich als Unternehmer frühzeitig neuen Herausforderungen stellt, wer sie als Chancen begreift, kann auf Dauer am Markt bestehen“, so Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft. In einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung wurde festgestellt, dass Digitale Technologien nun ein wichtiger Grundstein für die Wirtschaft sind und vor allem kleine und mittlere Unternehmen noch Nachholbedarf haben was dieses Thema angeht. Insgesamt nahmen 2000 Teilnehmer an dieser Studie teil. Rund 31 Prozent dieser Teilnehmer haben angegeben, sich noch nicht mit der Nutzung digitaler Techniken auseinander gesetzt zu haben. Das Ergebnis zeigt, dass die Digitalisierung von Produktionsabläufen bei kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten nicht als wichtig empfunden wird. Hier hat sich nur jedes zweite Unternehmen mit der immer zunehmenden Digitalisierung beschäftigt.

Ein ähnliches Ergebnis liefert eine Untersuchung im Auftrag der Bankengruppe KfW. Jedoch haben hier vier von fünf kleineren und mittleren Unternehmen Digitalisierungsprojekte tatsächlich umgesetzt und in einem Zeitraum von drei Jahren in neue Technologien und die Verbesserung der IT-Kompetenz investiert. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe nimmt folgende Stellung: „Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes geht kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Dafür muss nicht nur in Soft- und Hardware, sondern unbedingt auch in Wissen investiert werden, um die besten Lösungen für das eigene Unternehmen zu entwickeln.“

In einem Grundstadium der Digitalisierung befinden sich momentan ein Drittel der Mittelständler. Davon betroffen sind meist Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern. Nur ein knappes Fünftel des Mittelstandes nutzt digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0-Applikationen. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, warnt vor der Bildung einer „digitalen Zwei-Klassen-Gesellschaft“ in der deutschen Wirtschaft. Hierzu wurden 3000 Unternehmen in Deutschland nach ihrer Meinung befragt. Hier geht jedoch auch jedes dritte Unternehmen davon aus, dass die Bedeutung der digitalen Technologien an immer größerer Wichtigkeit in den nächsten Jahren gewinnt. Jedoch beschweren sich andere Unternehmen über begrenzte finanzielle Möglichkeiten, über nicht vorhandenes Personal oder auch über nicht verfügbares Know-How. Große Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern, setzen in der Pflege der Kundenbeziehungen auf die Integration von Smartphones und Tablets in der täglichen Arbeit.

Eine weitere Studie bezieht sich ebenfalls auf die Aktivitäten deutscher Mittelstandsunternehmen im Bezug zur Digitalisierung. Für die Studie hat die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften Acatech mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik zusammengearbeitet. Auch hier wird bestätigt: Kleinere Unternehmen haben Nachholbedarf. 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland erkennen Risiken sowie Möglichkeiten im technologischen Wandel. Bei größeren Unternehmen sind es rund 25 Prozent. Forscher haben herausgefunden, dass der Nachholbedarf bei der Datenanalyse und dem Prozessmanagement liege.

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