Lean Purchasing: 17% der Industrieunternehmen ohne Einkaufsstrategie

Autor: Marc Kloepfel
Datum: 25.02.2016

Staufen ermittelt den Status Quo im Lean Purchasing der deutschen Industrieunternehmen

Im Rahmen ihrer Studie „Lean Purchasing 2016“ befragte die Lean-Management-Beratung Staufen AG Ende 2015 112 deutsche Industrieunternehmen zu ihrem Einkauf. Ganze 85% der Unternehmen stammen aus dem produzierenden Gewerbe. Beim Lean Purchasing steht hauptsächlich die Kooperation mit dem Lieferanten im Vordergrund. Genauer gesagt, sollen die Durchlaufzeiten im Wertstrom reduziert und somit die Gesamtkosten gesenkt werden. Die Lean Prinzipien kommen ursprünglich aus der Produktion und sollen nun auch den Einkauf unterstützen. Im Einkauf umfasst das Lean Purchasing acht Handlungsfelder. Die Einkaufsstrategie, Prozesse, Gütereinkauf, Lieferantenmanagement, Einkaufsorganisation, Führung, Mitarbeiterkompetenz und kontinuierliche Verbesserung. Staufen orientierte sich in der Studie an diesen acht Bereichen.
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Zu Beginn fragte Staufen die Unternehmen, ob sie eine Einkaufsstrategie besitzen. Dies bestätigten insgesamt 83%, zusammengesetzt aus 98% bei Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und 74% bei Unternehmen mit unter 1.000 Mitarbeiter. 89% davon leiteten diese Einkaufsstrategie eigenen Angaben nach von der Unternehmensstrategie ab. Für die Befragten (35%) hat die Produktion den größten Einfluss auf die Einkaufsstrategie des Unternehmens. Forschung und Entwicklung liegen auf Platz zwei mit 22% der Angaben und auf 21% kommen die Finanzen. Darüber hinaus stellte Staufen die Frage, wie viele Einkäufer denn in den Unternehmen arbeiten. Bei Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern arbeiten 3 Mitarbeiter im Einkauf und durchschnittlich 0,2 davon im strategischen Einkauf. Im Gegensatz dazu gibt es bei Unternehmen zwischen 1.001 und 10.000 Mitarbeitern 35 Mitarbeiter im Einkauf, davon 7 im strategischen. Daraufhin befragte Staufen die Teilnehmer nach der Anzahl ihrer Warengruppen. Mit 58% gab hier die Mehrzahl an, nur 0 bis 50 Warengruppen zu behandeln, während 30% 51 bis 200 Warengruppen haben, 7% bei 201 bis 500 liegen und nur fünf Prozent mehr als 500 besitzen. Darauf aufbauend versuchte man nun herauszufinden, wie viele dieser Warengruppen strategisch behandelt werden. Von den Unternehmen mit der niedrigsten Anzahl an Warengruppen wurde angegeben, dass zwar 36% strategische Warengruppen seien, davon allerdings nur 11% tatsächlich strategisch bearbeitet werden. Während die Unternehmen mit 201 bis 500 Warengruppen 43% strategische Warengruppen haben und nur 16% davon strategisch bearbeiten, sieht es bei den Teilnehmern mit 51 bis 200 Warengruppen schon besser aus. 50% sind hier strategische Warengruppen und 25% davon werden auch strategisch bearbeitet. Bezüglich der Warengruppen wurde weiterhin gefragt, ob die Warengruppenstrategien an die Einkaufsziele angepasst werden. Obwohl diese Strategien normalerweise direkt von der Einkaufsstrategie abgeleitet werden sollten, gaben nur 18% an, dass sie dies immer tun und 28% beteuern, es sei oft der Fall. Damit richtet nur knapp die Hälfte ihre Warengruppenstrategien nach der Einkaufsstrategie aus. Da der Lieferant im Lean Purchasing von hoher Bedeutung ist, wollte Staufen wissen, wie viele Unternehmen ihre Lieferanten bereits standardmäßig in den Produktentwicklungsprozess einbinden. Hier gaben nur 10% an, dies immer zu machen während die Einbindung bei 29% oft passiert. Ganze 59% der Unternehmen gaben an, dass die strategischen Lieferanten nur manchmal bis nie in die Produktentwicklung mit eingebunden werden. Bei 45% der Befragten gibt es einen CPO (Chief Procurement Officer), welcher auf Geschäftsführerebene steht. Die restlichen 55% berichten an das Finanzwesen (43%), die Produktion (39%), die Logistik (9%) und die Technik (9%).

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M.Kloepfel