Digitale Transformation: Deutschland liegt vor den USA

Autor: Christian Fischer
Datum: 21.04.2016

Höherer Automatisierungsgrad ermöglicht schnellere digitale Transformation

Eine aktuelle Untersuchung des Managementberatungsunternehmens The Boston Consulting Group (BCG) zur digitalen Transformation in Deutschland und in den USA zeigt auf, dass die Deutschen im Wettkampf um Industrie 4.0 eine knappe Vorreiterschaft gegenüber den USA eingenommen haben. Rund 20 % der deutschen Unternehmen haben Maßnahmen zur digitalen Transformation bereits getroffen oder sogar vollständige Industrie-4.0-Konzepte umgesetzt. Im Gegensatz dazu sind es erst 16 % der befragten Unternehmen in den USA, so das grundlegenden Ergebnis der Studie „The Industry 4.0 Race – Time to Accelerate“. Dem Resultat liegt eine Umfrage unter mehr als 600 Entscheidern aus der Industrie beider Länder zugrunde.

Auch im Bereich der zukunftsorientierten Planung liegt Deutschland vorne. Nahezu die Hälfte der befragten Unternehmen hat erste Industrie-4.0-Strategien hierzulande entwickelt. Auf die Einführung von Industire-4.0-Technologien sehen sich mehr als 80 % der deutschen Firmen gut vorbereitet. Weniger als 60 % der befragten Unternehmen in den USA glauben dies von sich. „Dass Deutschland im Vergleich so gut dasteht, überrascht auf den ersten Blick. Beim genaueren Hinschauen werden die Startvorteile deutscher Unternehmen klar: Sie verfügen über einen deutlich höheren Automatisierungsgrad und können dadurch digitale Technologien schneller einführen als US-Unternehmen“, sagt der Industrie-4.0-Experte und Partner der Boston Consulting Group Markus Lorenz.

Mehr als ein Drittel der Unternehmen beider Länder gaben weiterhin an, der Mangel an spezialisierten Fachkräften sei die größte Herausforderung bei der digitalen Transformation. Gefolgt von Herausforderungen wie Datensicherheit und Investitionsbedarf. Dabei ist vor allem Fachwissen im Bereich Datenmanagement und –analyse als auch im Aufbau von Sicherheitsarchitekturen gefragt. Um diese Kompetenzen zu erlangen und Mitarbeiter an digitale Werkzeuge und vernetzte Prozesse heranzuführen setzen 64 % der deutschen Unternehmen vor allem auf externe Weiterbildungen und Schulungen. Um digitale Talente zu gewinnen legen über die Hälfte der US-Unternehmen ihren Fokus auf Umschulungen oder Neueinstellungen. „Die deutschen Unternehmen konzentrieren sich stark auf passende Ausbildungen und Abschlüsse. Dieser künstlich geschaffene Flaschenhals macht die Suche nach Fachkräften schwerfällig. In den USA verlaufen Karrieren oft flexibler; Quereinsteiger sind die Regel“, erklärt Markus Lorenz den Unterschied.

Die Kosten für eine notwendige Erstinvestition in die digitale Transformation schätzen Unternehmen beider Länder auf insgesamt 7-9 % ihres Umsatzes. Dabei sehen deutsche Unternehmen dieser Investition relativ gelassen gegenüber, wobei US-Unternehmen besorgt auf den hohen Investitionsbedarf schauen. Dies ist vor allem für Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe zu entnehmen. „Einige Unternehmen in den USA investieren kräftig. Aber der deutsche Mittelstand ist in der Fläche experimentierfreudiger“, sagt Markus Lorenz. Allerdings rentieren sich durch die gestiegene Produktivität die Investitionen laut Lorenz innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder.

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