Neuer Börsencrash: China stoppt erstmals Aktienhandel

Autor: Christian Fischer
Datum: 04.01.2016

Die Frühindikatoren für die chinesische Industrie- und die Dienstleistungssektoren zeigen, dass sich Chinas struktureller Anpassungsprozess trotz des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums weitere Fortschritte. Trotzdem reagierten die chinesischen Börsen heute negativ.

Der Shanghai Shenzhen Composite Index (CSI) verlor aufgrund der Sorgen um die chinesische Wirtschaft über 5%. Damit eröffnete die Börse mit dem schlechteste Jahresauftakt ihres Bestehens seit 1990. Als er ein Minus von 7% erreichte, wurde der Handel umgehend gestoppt. Diesen Sicherungsmechanismus gibt es gerade erst seit Jahresbeginn. Auch der Nikkei-Index brach ein und schließt mit einem Minus von 3,1%.

Laut einer offiziellen Erhebung im Dezember meldeten Chinas Einkaufsmanager den fünften Monat in Folge weniger Bestellungen, während dessen ist der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers Index, PMI) des Dienstleistungssektors im selben Zeitraum mit 54,4 auf den höchsten Stand in sechzehn Monaten gestiegen. Der Industrie-PMI erreichte im Dezember einen Wert von 49,7 und konnte sich damit gegenüber November, als er mit 49,6 auf den tiefsten Stand in drei Jahren gefallen war, leicht erholen.

Der Caixin-PMI fiel von 48,6 auf 48,2 und hat damit die Experten negativ überrascht. Bereits den zehnten Monat in Folge notiert er unter der Wachstumsschwelle von 50. Erst ein Wert von über 50 zeigt Wirtschaftswachstum an. Im Caixin-Index werden kleineren und mittelständischen Unternehmen stärker gewichtet.

Ökonomen des japanischen Finanzhauses Nomura stellten für das vierte Quartal 2015 vor allem aufgrund der schwachen Exporte und der nur verhaltenen Bautätigkeit ein Wachstum von 6,4% fest. Das ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber den vorangegangenen drei Monaten, als das Bruttoinlandprodukt (BIP) noch bei 6,9% lag.

Dies zeigt zudem, dass der Dienstleistungssektor trotz seines Wachstums weiterhin eine geringere gesamtwirtschaftliche Bedeutung hat als die Industrie, die in den vergangenen vierzig Jahren Chinas großer Wachstumsmotor war.

Laut statistischen Amtes hat sich die Finanzlage chinesischer Industrieunternehmen wegen Überkapazitäten und hoher Verschuldung gegen Ende 2015 weiter eingetrübt hat. Dies macht korrigierende Maßnahmen der Regierung wahrscheinlich, wie sie bereits im Dezember angekündigt wurden.

Experten wie vom Finanzhaus Nomura erwarten, dass die Notenbank das Geld durch weitere Zinssenkungen und der Verringerung des Mindestreservesatzes günstiger machen wird. Im Zuge der laufenden Reformen gewinnt der Privatkonsum zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig treibt die Regierung die Reform der ineffizienten Staatsbetriebe voran. Da eine solcher struktureller Anpassungsprozess Strukturanpassungsprozess schwierig ist, wird die chinesische Wirtschaft kurz- und mittelfristig mit Gegenwind rechnen müssen.

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