Deutscher Handelskongress 2015

Autor: Osman Cetinkaya
Datum: 27.11.2015

Deutscher Handelskongress Quelle: HDE

Deutscher Handelskongress
Quelle: HDE

Handel 4.0 – Vom Kunden inspiriert

Der Trend geht zunehmend in die Digitalisierung. Durch technische Entwicklungen und veränderte Kundenerwartungen wird der Druck auf die Einkäufer erhöht. Jedoch müssen auch die Marktbedingungen fair sein, damit Unternehmen den Mut zu Investitionen aufbringen. Im Rahmen des Deutschen Handelskongress, am 18./19. November 2015 in Berlin, präsentierten Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diese Analyse. Teilgenommen haben ca. 1.400 Experten. Das Kongressmotto lautete „Handel 4.0 – Vom Kunden inspiriert“.

Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), betonte, dass sich der Konsument beim Einkauf nahtlos zwischen Online- und Offline-Welten bewegen möchte. „Damit bestimmt er das Beziehungsgeflecht zwischen Erzeugern, Lieferanten und Partnern“, so der HDE Präsident. Umso wichtiger seien für den Handel „unternehmerische Freiräume und politische Rahmenbedingungen, die einen fairen Wettbewerb zwischen den einzelnen Vertriebskanälen ermöglichen“.
Auch fordert Sanktjohanser politische Unterstützung bei der Digitalisierung der Innenstädte sowie des stationären Handels. Auch sei seiner Meinung nach die Harmonisierung des EU-Datenschutzrechts wichtig. Mit dieser Meinung sah sich Sanktjohanser im Einklang mit Günther Oettinger, Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft sowie Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Diese sprachen ebenfalls auf dem Kongress.

Um auf dem globalen Wettbewerb zu bestehen, braucht es nach Meinung Oettingers, einen digitalen Binnenmarkt. Aus digitaler Sicht ist die Europäische Union „in 28 Einzelmärkte fragmentiert“, bemerkte Oettinger. In diesem Kontext verwies die Bundeskanzlerin Merkel auf die Verhandlungen zur Datenschutzverordnung. Diese soll die Verarbeitung von personenbezogenen Daten in der gesamten EU vereinheitlichen. „Die Digitalisierung kann sich nicht an nationalen Grenzen orientieren, wir müssen dafür den europäischen Rahmen nutzen – ein Rahmen, der aber auch die Freiheit zur Entwicklung neuer, digital gestützter Geschäftsfelder ermöglicht“, so Merkel.

Weitere Redner wie Alexander Birken, Konzernvorstand Multichannel Distanzhandel der Otto Group, betonten: „Der Kunde ist unumstrittener König, das Zepter der Moderne sind Smartphones und Tablets.“ Seiner Ansicht nach reicht eine gute Webseite zu haben nicht mehr aus. „Der Kunde erwartet, dass Unternehmen heute mit all ihren Systemen intelligent und echtzeitfähig aufgestellt sind.“

„Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Kunden dort abholen, wo sie sind – das heißt aber nicht, dass wir ihnen blind hinterherlaufen“, mahnte Kenneth Bengtsson, Präsident des Dachverbands EuroCommerce. Jerry Storch, CEO der Hudson’s Bay Company, ergänzte: „Wenn er es richtig anstellt, wird der stationäre Handel zum Drehkreuz des Einkaufens der Zukunft werden.“

Auch die Politik sagte ihrer Unterstützung beim Strukturwandel zu. Hierfür hat die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Iris Gleicke, eine Dialogplattform eingerichtet. Mit dieser sollen gemeinsame Strategien für den digitalen Wandel entwickelt werden. Sie kam in Vertretung ihres Ressortchefs Sigmar Gabriel.

Renate Künast, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz, betonte, dass es ihr beim Einkauf um das „Erleben und Erfahren“ geht. Auch ihr ist es wichtig, dass wie im stationären Handel auch im Onlinekauf ökologische Standards und soziale Verantwortung vorzufinden sind.

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O.Cetinkaya