Bauernproteste: Wenn das Ei nicht in der Pfanne landet, sondern zum Wurfgeschoss wird

Autor: Marc Kloepfel
Datum: 10.09.2015

Bauernproteste: Landwirte aus ganz Europa kamen am vergangenen Montag (07.09.) in der belgischen Hauptstadt Brüssel zusammen, um ihren Frust über die niedrigen Milchpreise zum Ausdruck zu bringen. Das Fazit: Autoreifen brannten, Böller wurden gezündet, Eier wurden zu Wurfgeschossen und 140 Kilometer Stau am Morgen auf den belgischen Autobahnen.

Grund für die Wut der Landwirte ist der zu geringe Milchpreis und die damit verbundenen Existenzängste. Vor eineinhalb Jahren bekamen Milchbauern 40 Cent für einen Liter Milch. Derzeit sind es nur 28 Cent. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen überfluten Länder wie Australien und Neuseeland den Markt mit Milch. China hingegen fragt weniger nach und Russland brach auf Grund von EU-Sanktionen als wichtiger Markt weg. Die im April nach 34 Jahren auslaufende Milchquote spielt dabei keine Rolle.

„Wir sind stinksauer. Wir erleben einen Preisdruck speziell durch das Russland-Embargo, der die Existenz der Bauern-Familien gefährdet. Da erwarten wir jetzt einfach, dass uns die EU und die Bundesregierung unterstützen, damit die Bauernfamilien eine Zukunft haben.“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands in Brüssel.

Erste geplante Maßnahmen um den Landwirten in der EU zu helfen sind bereits erarbeitet. Beispielsweise sollen die EU-Staaten die Beihilfen früher auszahlen können. Aber auch das Einlagern von Milchprodukten und Schweinefleisch soll gefördert und neue Märkte geöffnet werden. Hilfen in Höhe von 500 Millionen Euro sollen den Landwirten aus der Not helfen. „Es geht um ein Paket, um die finanziellen Nöte der Bauern anzugehen, den Markt zu stabilisieren und das Funktionieren der Handelskette zu verbessern“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission.

Weitere Maßnahmen, wie beispielsweise den Interventionspreis anzuheben, sind seitens der Europäischen Kommission nicht geplant. Der Interventionspreis ist ein festgelegter garantierter Mindestpreis für bestimmte Agrarprodukte und wird von der Europäischen Union festgelegt. Zur Zeit liegt dieser bei circa 22 Cent pro Liter Milch.

Offen bleibt allerdings, ob diese Maßnahmen auch ausreichen und ob nicht noch weitergehende Hilfemaßnahmen von Nöten sind. Hinzu kommt, dass auch in der Schweinezucht bald erste Probleme kommen könnten. Und auch dafür machen die Landwirte ausschlaggebend die Sanktionen Russlands verantwortlich.

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