62% der Einkaufsleiter beklagen mangelnde Kompetenz in ihrem Team

Autor: Marc Kloepfel
Datum: 16.02.2016

Aktuelle Deloitte-Studie untersucht Herausforderungen und Prioritäten von 324 Einkaufsleitern

Deloitte CPO Umfrage

Deloitte CPO Umfrage

Bereits im fünften Jahr hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte nun seine Umfrage unter Chief Procurement Officers (CPO) durchgeführt. Die „Deloitte Global CPO Survey 2016“ fungiert als zukunftsorientierter Maßstab für den Einkauf und soll Aufschluss über die Erwartungen der Einkaufsleiter geben. Mit einer Rekordteilnehmerzahl von 324 CPOs in Unternehmen aus 33 Ländern und einem zusammengerechneten Gesamtumsatz von 4,4 Billion US-Dollar behandelt der Report die verschiedenen Herausforderungen im Einkauf. Die diesjährige Leitfrage: „Einkauf: An einem digitalen Wendepunkt?“

Kostenreduzierung als Top-Priorität

Eine dieser Herausforderungen besteht darin, auf einem sich verlangsamenden Markt weiterhin Wachstum zu garantieren. Diesbezüglich wurden die Einkaufsleiter nach ihren Prioritäten zum Thema Wachstumssicherung befragt. Mit 74% steht hier die Kostenreduzierung mit großem Vorsprung an erster Stelle. Diese lag voriges Jahr bei 69% und erfuhr nun einen Schub. Auf dem zweiten Platz liegt mit 46% eine neue Produkt- und Marktentwicklung, dicht gefolgt von einem verbesserten Cash Flow (45%) und biologischer Expansion (43%). Weiterhin fragte Deloitte nach den Kompetenzen des Einkaufs-Teams. Diese sind, nach Ansicht der CPOs, in den letzten drei Jahren stark gesunken. Bewerteten 2013 noch 52% der Befragten ihr Team als ausreichend kompetent, sank diese Zahl im letzten Jahr auf 38%. Trotz dieser Erkenntnis sinken die Ausgaben für Talententwicklung und Training immer weiter. So investierten im letzten Jahr knapp 30% (29,5%) weniger als 1% ihres Budgets in das Training ihrer Einkäufer. Die Einkaufsleiter legen verstärkt Wert auf das Halten von Talenten (32%), während nur rund 20% auf das Anwerben von neuen Talenten setzen. Hier wird erneut klar, dass die Kostenreduzierung allen anderen Prioritäten deutlich voraus ist. In Bezug auf Informationstechnologie setzen, mit einem Anstieg um 27 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2014, 70% der Befragten auf Online-Lösungen. Mobile Technologie (42%) und Cloud-Anwendungen (45%) belegen die Plätze zwei und drei der wichtigsten Technologien. Nur noch 22% der Befragten suchen noch keine Ansätze bezüglich digitaler Strategien, wohingegen 40% bereits eine klare digitale Strategie verfolgen. 12% der Reportteilnehmer wollen das Warengruppenmanagement und 26% den operativen Einkauf verstärkt outsourcen. Die Beziehungen zu anderen Führungskräften des Unternehmens wurden ebenfalls abgefragt. Für CPOs ist ein gutes Verhältnis zum Chief Financial Officer (CFO) und zum Chief Executive Officer (CEO) von hoher Bedeutung. Mit rund 95% liegen diese beiden Positionen an den Spitzenplätzen. Über die größte Entscheidungsmacht verfügt der Einkauf in Bezug auf die sogenannten Make-or-Buy-Entscheidungen. 66% der CPOs geben an, dass sie hier im Entscheidungsprozess integriert sind.

Perspektive

Für den BME war bereits Anfang 2015 klar, „dass der Einkauf die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreibt.“ „Industrie 4.0 richtet sich vor allem an den Einkauf und die Supply Chain. Wenn von Digital Revolution die Rede ist, kreist die Debatte aber fast nur um Fragen der Produktion. Das ist aber ein klarer Trugschluss“, sagte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), bereits im April 2015. Feldmann versteht den Einkauf als Schrittmacher von Industrie 4.0. Darüber hinaus fordert der BME angesichts der Chancen von Industrie 4.0 neue Allianzen und Partnerschaften sowie zur Realisierung kundenspezifischer Lösungen noch stärker die strategische Beschaffung. Feldmann: „Ziel ist die vollintegrierte Supply-Chain-Steuerung über viele Unternehmen hinweg – je nachdem, in welche Richtung sich der Markt entwickelt, wo beste Gewinnaussichten oder günstigste Kosten zu erreichen sind.“ Dies bedarf ein vertrauensvolles Partnernetzwerk und geht weit über den Produktionsprozess hinaus.

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M.Kloepfel