Kosten offenlegen und mit Kunden optimieren

Die Offenlegung von Kosten und die Begründung von Produktpreisen gewährleisten fairen Handel. Vom Open Book Accounting profitieren daher Kunde und Anbieter.

Wenn Lieferanten ihre Bücher zur Einsicht freigeben und dadurch Kostentransparenz schaffen, werden überflüssige Posten sichtbar und der Endpreis kann gesenkt werden. Doch für Anbieter ist dieser Schritt aufgrund der Angst vor Ausnutzung und Profitverlust nicht einfach. Die Offenlegung der Produktdaten stärkt die Machtposition der Käufer. Im Umkehrschluss verschlechtert sich die Ausgangslage für die Lieferanten bei Verhandlungen.

Open Book Accounting zielt im Grunde genommen darauf ab, alle Kosten zu eliminieren, die nicht den Wert des Produkts steigern. Das betrifft Material-, Fertigungs- oder Transportkosten. Eine Kostentransparenz, die für beide Seiten von Vorteil sein soll, zielt nicht auf eine Verringerung der Marge ab, sondern es geht darum, gemeinsam an einer Kostenoptimierung zu arbeiten.

Offene Bücher nicht für Preisdrückerei nutzen

Vom Open Book Accounting profitieren Anbieter und Kunde. Die Lieferanten werden vor überzogenen Forderungen seitens der Käufer geschützt, da sich der Preis aus den dargelegten Posten errechnet. Durch die kooperative Zusammenarbeit wird zudem ein Wettbewerbsvorteil errungen, da ein Großteil des Marktumfelds sich nur ungern in die Karten schauen lässt.

Die Offenlegung aller Kosten bringt es mit sich, dass sich die Einkäufer bei Preisverhandlungen in der dominierenden Position befinden. Die Versuchung ist groß, die Marge der Anbieter möglichst klein zu halten und den Preis soweit wie möglich zu drücken. Diese Vorgehensweise ist jedoch unwirtschaftlich, da sie beiden Parteien schadet. Die betroffenen Lieferanten werden in diesem Fall vor die Wahl gestellt: Entweder sie verlieren einen Kunden und damit Marktanteile, oder sie senken ihren Profit und riskieren den wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Vertrauen ist Voraussetzung fürs Open Book Accounting

Beim Open Book Accounting sind gegenseitiges Vertrauen und Rücksichtnahme auf die Stabilität des Geschäftspartners von großer Bedeutung. Unabhängig davon wie erfolgreich die Produktionskosten optimiert werden können, sollte dem Lieferanten ein Gewinnanteil von rund sechs bis acht Prozent eingeräumt werden, um seine Existenz langfristig zu gewährleisten.

Zumal die Einkäufer Vorteile aus der Vereinbarung ziehen. Sie können ihre Verhandlungsposition stärken und unverhältnismäßige Preise ins rechte Licht rücken. Falls ihnen die Daten mehrerer Zulieferer vorliegen, können Preis-Leistungs-Verhältnisse verglichen werden. Dadurch sind Zugeständnisse zugunsten des Anbieters kein Zeichen von Kapitulation, sondern ermöglichen den Aufbau einer funktionierenden Geschäftsbeziehung.

Open Book Accounting in der Automobilindustrie

Am weitesten verbreitet ist Open Book Accounting in der Automobilindustrie. Der Vertrieb von individuellen Maschinenteilen ermöglicht eine enge Zusammenarbeit zwischen Zulieferer und Abnehmer. Gerade große Automobilhersteller können oft mit hoher Kompetenz aufwarten, die der anderen Seite bei ihrer Optimierung der Produktionskosten zugute kommt. Die Lieferanten beziehungsweise Produzenten der einzelnen Materialien sind oft daran interessiert, sich an ihre Kunden fest zu binden, um langfristig abgesichert zu sein. Bei ständig wachsender Konkurrenz hilft dabei oft nur der Weg nach vorne.

Warum Kostentransparenz in anderen Geschäftszweigen bislang nicht häufiger vorkommt, liegt an verschiedenen Faktoren. Gerade in Branchen, in denen die Qualität des Produkts beim Endverbraucher am meisten zählt, ist Open Book Accounting noch nicht fest etabliert. Ein Beispiel: Treten Komplikationen bei medizinischen Produkten auf, fallen Anschuldigungen auf die gesamte Produktkette zurück, was sich weder Hersteller noch Lieferant leisten können. Aus diesem Grund sind alle Parteien darauf angewiesen, Angebot und Nachfrage fair zu gestalten, um Qualitätsverluste auf beiden Seiten zu vermeiden.

Fazit
Der Trend zu mehr Offenheit und transparenten Verhandlungen setzt sich in immer mehr Branchen durch. Durch die weltweite Vernetzung werden Rohstoffpreise, Löhne, Transportkosten und oftmals sogar Gewinnanteile rund um die Uhr im Internet verbreitet. Ob durch offizielle Standards oder private Foreneinträge: Der Käufer wird mit einer Vielzahl von Produktinformationen konfrontiert. Um also nicht von Fantasiebeträgen aus dem Internet ausgebootet zu werden, stehen viele Lieferanten dem Open Book Accounting offen gegenüber – und sichern sich somit Aufträge.

Quelle: www.business-wissen.de

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