Business in den Golfstaaten

Schon der einfache Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollte gut vorbereitet werden – noch schwieriger ist es aber, Geschäfte vor Ort abzuwickeln. Für business4 hat Marc Kloepfel, Geschäftsführer der Kloepfel Consultig GmbH die wichtigsten Tipps zusammen gestellt.

Wer in den Vereinigten Arabischen Emiraten, so zum Beispiel in Dubai, erfolgreich Kontakte aufbauen möchte, muss einiges beachten. Es gibt viele Dinge, die für Europäer , oder US-Amerikaner selbstvertändlich sind, aber in den Golfstaaten beinahe einem Skandal nahe kommen können. Da viele Besucher sich im Vorfeld offenbar nicht ausreichend informieren, sorgen die Länder vor. So weisen beispielsweise alle
Einkaufszentren am Eingang mit Hinweisschildern auf die Benimmregeln hin. Den Anfang machten die Mall of the Emirates bereits im Januar 2008.

Alkohol und Tabak
Einheimische dürfen offiziell absolut keinen Alkohol konsumieren. Ausländern ist es in manchen Hotels und Lokalitäten erlaubt. Doch auch dort sollte man tunlichst auf Trinkgelage verzichten. In der Öffentlichkeit - beispielsweise in Parks, auf der Straße oder am Strand - ist Alkohol komplett tabu. Selbstverständlich ist auch das Autofahren unter Alkoholeinfluss strengstens untersagt und wird bei Zuwiderhandlungen mit empfindlichen Strafen sanktioniert. Während des Ramadan sollte man als Besucher in der Öffentlichkeit zudem auf das Rauchen verzichten, auch hier drohen andernfalls
erhebliche Geldbußen.

Begrüßung
Männer begrüßen sich mit dem kurzen Handschlag. Gegenüber Frauen ist jeglicher Körperkontakt verboten, das gilt auch für diese Begrüßungsform. Auch als Besucher sollten sich Paare nicht eng umschlungen zeigen. Auch gilt es als unschicklich, Frauen einfach anzusprechen. Status und berufliche Position spielen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine bedeutende Rolle. Daher sollte man darauf achten, die Personen immer formell anzusprechen. Falls der Gesprächspartner einen Titel trägt, wird dieser vor dem Namen genannt. Üblicherweise wird der Vorname verwendet. Hochrangige Persönlichkeiten sollten mit Titel plus Vornamen angesprochen werden (Shaik, His/Your Excellency). Die korrekte Anrede des Herrschers von Dubai würde also lauten: Your Highness Shaikh Mohammed. Frauen dürfen nicht mit dem Nachnamen ihres Mannes angesprochen werden, sondern nur mit ihrem Familiennamen.

Fotografieren
Grundsätzlich sollten nie ungefragt Personen fotografiert werden. Frauen zu fotografieren, ist ganz untersagt. Gleiches gilt für die genannten „restricted areas". Dabei handelt es sich um öffentliche und militärische Anlagen.

Kleidung
Ganz generell: Nie zu freizügig anziehen. Auch auch bei ausländischen Besucherrinnen ist ein Schleier gerne gesehen. Bei Freizeitausflügen sollten Männer schulterbedeckende T-Shirts und Hosen, die mindestens die Knie bedecken, anziehen. Kurze Hosen werden in der Vereinigten Arabischen Emiraten nur als Unterhose oder Badehose getragen. Im Emirat Sharjah ist die sittliche Kleiderordnung allerdings nicht nur eine Empfehlung, sondern Gesetzgebung. Inzwischen haben auch die meisten Einkaufszentren in Dubai einen Dresscode eingeführt. Zudem sollte man auf blickdichte Stoffe achten, schulter- und rückenfreie Teile, ebenso wie eng anliegende Kleidung, tiefe Ausschnitte, kurze Röcke oder Hot Pants vermeiden. Frauen sollten idealerweise Kostüme mit mindestens knielangen Röcken und generell Strumpfhosen anzuziehen. Auch die Farbwahl sollte dezent ausfallen. Im Emirat Sharjah darf man als Frau an den öffentlichen Stränden keinen Bikini tragen. In zahlreichen Restaurants und Nachtklubs, vor allem jedoch in Hotelanlagen, gibt es abends eine Kleidervorschrift. Jeans und Tennisschuhe sind vielerorts nicht erlaubt. Bei Businesstreffen sollten für Männer Anzug und Krawatte und für Frauen adäquater Businessdress selbstverständlich sein.

Private Einladungen
Erhält man eine private Einladung, so sollte diese zunächst zweimal höflich abgelehnt werden. Wer dann zum drittenmal eingeladen wird, darf diese dann auch annehmen, denn solche Einladungen gelten als große Ehre. Geschenke bitte nur Kindern mitbringen, nie der Frau, nicht einmal Blumen. Diese werden in der Regel nur zu Hochzeiten und Geschäftseröffnungen mitgebracht.  Ein Besuch in Dubai ist geschäftlich und privat empfehlenswert - will aber gut vorbereitet sein. Spirituosen als Gastgeschenk sind selbstverständlich Tabu.Wer eine Wohnung betritt, muss zuvor die Schuhe ausziehen, allerdings sollten man unter keinen Umständen dem Gegenüber die Fußsohlen entgegenstrecken. Daher am besten konsequent auf das Überkreuzen der Beine verzichten.

Geeschenke
Geschenke dienen in den Vereinigten Arabischen Emiraten weniger zur Anbahnung einer Geschäftsbeziehung, als vielmehr als Möglichkeit, persönliche Beziehungen zu festigen. Wer ein kostbares Geschenk erhält, darf dieses aus Gründen der Höflichkeit auch gerne annehmen. Sonst wäre der Schenker beleidigt. In vielen deutschen Firmen ist es Usus, dass die Mitarbeiter ihre Geschenke abgeben und diese dann - beispielsweise zur Weihnachtsfeier - versteigert werden. Als Geschenke für den Business-partner empfehlen sich entweder hochwertige Bildbände oder sym-bolträchtiges Porzellan. Die Übergabe geschieht immer mit der rechten Hand, denn mit der linke Hand verrichtet man in den Vereinigten Arabischen Emiraten nur sogenannte „unreine" Aufgaben. Bei Geschäftsmeetings ist es zwar üblich, Geschenke zu überreichen, allerdings wird es nicht als „Muss" angesehen.

Unterhaltung
Das Einkaufszentrum Blue Souk in Sharjah ist eines der Wahrzeichen dieses Emirats. Wie in allen islamischen Ländern sind Gespräche über Frauen, Religion, Terrorismus und Politik im Alltag oder Gewchäftsmeeting tabu. Gespräche finden normalerweise nur zwischen Partnern gleichen Geschlechts statt.

Paare
Die öffentliche Zuschaustellung von Zärtlichkeiten ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten strafbar.

Umwelt
Wer in den Vereinigten Arabischen Emiraten Blumen oder Planzen entwendet oder beschädigt, kassiert eine Geldstrafe.

Ra Lamadan | Fastenzeit
Während der Fastenzeit (von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang) darf grundsätzlich weder geraucht, gegessen noch getrunken werden - die gilt auch für Wasser, Säfte und Softdrinks. Sogar das Kauen eines Kaugummis während des Ramadans in der Öffentlichkeit kann bestraft werden. Man sollte sich aus Respekt Gründen besonders konservativ kleiden. Die Arbeitszeiten sind während des Ramadans in der Regel um mindestens zwei Stunden pro Tag gekürzt.

Essen und Trinken
Arabische Spezialitäten sind unter andrem Kichererbsen und Sesampüree (Houmus), Bulghurweizen mit Petersilie und Minze (Tabbouleh), gebratenes Lamm auf Reis mit Nüssen (Ghuzi), mit Reis gefüllte Weinblätter (Warak Enab) und gefüllte Zucchini (Koussa Mashi). Vorspeisen werden Mezze genannt. Oft werden traditionelle Hammelgerichte serviert, die man ohne Besteck serviert bekommt und nur mit Brot isst. In der Regel wird der Gast aufgefordert mit dem Essen zu beginnen. Es gilt als besonders höflich, viel zu essen. Wer wirklich satt ist, muss auf weitere Aufforderungen dreimal höflich ablehnen und einen kleinen Rest auf dem Teller zurück lassen. Leere Teller signalisieren Hunger. Ähnliches gilt für leere Gläser. In den Golfstaaten wird zur Begrüßung ungesüßter Kaffee getrunken. Die Tasse gehört dabei in die rechte Hand. Man sollte sich den Kaffee maximal vier Mal nachschenken lassen

Geschäftliches
Hilfsbereitschaft wird geschätzt. Daher sollte niemals eine Bitte verweigert werden, sei diese auch noch so unmöglich zu erfüllen. Der gute Wille zählt und öffnet Türen. Auf Pünktlichkeit wird sehr viel Wert gelegt. Wie in Deutschland auch, fördert es Sympathien wenn die Geschäftspartner Gemeinsamkeiten entdecken. So lassen sich erfolgreiche Geschäftsbeziehungen aufbauen. Auch Kontaktmessen oder Außenhandelskammern sind gute Möglichkeiten, um Kontakte zu knüpfen. Visitenkarten sollten optimalerweise beidseitig bedruckt sein, einmal englisch, einmal arabisch. Je mehr das Gespräch vom geschäftlichen abweicht, desto interessierter sind Araber an ihrem Gegenüber. Dies ist zeigt Wertschätzung und gilt als gutes Zeichen. Die Arbeitszeiten sind in der Regel von acht bis 18 Uhr mit zweistündiger Mittagspause. Das Wochenende geht nicht wie bei uns von von Samstag bis Sonntag, sondern von Freitag bis Samstag. Hintergrund: Freitag ist der Tag des öffentlichen Gebets und daher arbeitsfrei.

Verhandlungen
Geschäftsbeziehungen basieren auf persönlichen Beziehungen. Die Sachebene spielt eher eine untergeordnete Rolle. Verhandlungen in den Golfstaaten sind meist langwierig und sind von traditionellem Feilschen geprägt. Erfolgreiche Verhandlungen basieren auf großen Verhandlungsspielräumen, Flexibilität und gegenseitiger Sympathie. Daher ist es ratsam zunächst eine positive persönliche Beziehung aufzubauen, indem man gemeinsame Interessen findet. Im Gegensatz zu den Arabern tendieren die Deutschen dazu, einen Vertragsabschluss zu früh ins Auge zu fassen. Daher: Zeitnehmen, Nachverhandlungen einplanen und flexibel sein. Großzügigkeit wird geschätzt. Daher sollte für die Verhandlungen auch immer die Möglichkeit für großzügiges Entgegenkommen mitbedacht werden. Bei Verhandlungen sind Schauspielerei und das Zeigen von Emotionen durchaus üblich, dabei sollten man aber immer freundlich und souverän bleiben. Kommt man mit einer Verhandlung nicht weiter, sollte man einflussreiche Dritte hinzuzuziehen. Golfaraber wollen immer die beste Qualität zu den niedrigsten Preisen, daher gestalten sich Verhandlungen oft sehr schwierig. Zwar werden schriftliche Vereinbarungen als Mangel an Vertrauen vom arabischen Geschäftspartner angesehen. Aber diese schriftlichen Vereinbarungen sind wichtig, um spätere Missverständnisse zu vermeiden. Man überzeugt am einfachsten, in dem man auf die formalen Vorschriften in der eigenen Firma verweist.

DONT'S
Niesen und Naseputzen in der Öffentlichkeit gilt als unfein.

Das in Deutschland als „Okay" bekannte Zeichen, also mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis zu bilden, gilt in den Vereinigten Arabischen Emiraten als obszöne Geste.

Trägt der Araber besonders schöne Schmuckstücke (z.B. eine luxuriöse Uhr), sollte man diese nicht loben. Der Träger sieht sich sonst gezwungen, das Schmuckstück dem Gesprächspartner zu schenken. Es wäre dann grob Unhöflich das Geschenk abzulehnen.

Als Nichtmuslim sollte man den Namen Allahs oder des Propheten Mohammed grundsätzlich nicht in den Mund nehmen.

Wenn der Muslime betet, sollte man ihn dabei unter keinen Umständen stören. Verboten sind ferner: Pornographie, „jüdische Propaganda", Schriften und

Medien, die unvereinbar mit den religiösen, kulturellen, politischen und moralischen Werten der Vereinigten Arabischen Emirate sind, Trunkenheit und Drogen

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